Tonios Glück

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»Es wird einmal sein, was in heutigen Tagen noch unter dem Schleier der Unkenntnis über das Kommende verborgen liegt: Dann existiert eine Zivilisation, in der das Glück und die Freiheit jedes Menschen verwirklicht sind.« Mit diesen Worten beginnt die Novelle. Sie erzählt von der Zukunft und dem Streben der Bewohner dieser Erde, dass ihre Wünsche wahr werden.

Wissenschaft und Technik, die Beherrschung physikalischer, chemischer und biologischer Prozesse haben die Voraussetzungen für ein Leben ohne Sorgen und Nöte geschaffen. Roboter, ausgestattet mit künstlicher Intelligenz, erfüllen alle Bedürfnisse der Menschen. Sie optimieren die Gehirnströme, sodass keine unerwünschten oder unangenehmen Gefühle oder Gedanken ins Bewusstsein kommen können.

Wie im Paradies zeigt sich das Dasein. Doch gleichfalls gilt, was für das Paradies galt: Solch eine Existenz beraubt den Menschen der Möglichkeit zum wahrhaftigen Erkennen. Die Erdenbewohner haben sich den Robotern angeglichen, die weder Verlangen noch Ziele besitzen und niemals die Welt verstehen können. Der Sinn des Daseins liegt allein darin, dass alles bleiben soll, wie es ist.

Doch der Mensch ist erschaffen, um zu erleben und zu wachsen. Und so genügt Tonio, dem Protagonisten der Novelle, nicht, was ihm die Zivilisation zu bieten vermag. Dies zu spüren verwundert ihn, lässt ihn zweifeln und führt ihn schließlich zur Suche nach einer anderen Lebensform. Er steht vor der Entscheidung, sich der Technik anzuvertrauen oder die Herausforderung zur eigenen Entwicklung anzunehmen.

In der Zivilisation existiert keine Herrschaft. So ist es ein innerer Kampf gegen die gültigen Überzeugungen, den Tonio, ein in der Zivilisation anerkannter Wissenschaftler, ausfechten muss. Er entwickelt sich, weil er es wagt, Erfahrungen jenseits aller Gewissheiten und des scheinbar Unveränderlichen zu machen. Hierdurch erschafft er sich selbst als neuen Menschen.

In jener Zeit existieren vollkommen verschiedenartige Gemeinschaften nebeneinander, und Tonio nimmt Kontakt zu einer anderen Kultur auf. Er beschließt, umzusiedeln, und damit beginnt für ihn ein weiteres Abenteuer. Denn zwischen der Zivilisation und jener anderen Kultur besteht kaum Austausch. So ist er ganz auf sich allein gestellt, als er in die ihm unbekannte Welt aufbricht.

Doch er weiß von Channah, einer Forscherin, die diesen Schritt vor ihm unternommen hat. Mit ihr steht er in Verbindung und für sie empfindet er eine tiefe Zuneigung. Allerdings bis er ihr begegnen kann, muss er große Herausforderungen meistern. Denn der Weg hin zu ihr führt ihn durch die Wildnis der Natur. Eine Wirklichkeit, mit der er, der der Realität der Maschinen entstammt, nun zum ersten Mal konfrontiert wird. Er muss lernen, unter vollkommen unbekannten Bedingungen zu überleben.

Man mag es Fügung, Glück oder Schicksal nennen: Tonio erreicht die ihm unbekannte Kultur. Zuneigung und Fürsorge werden ihm dort entgegengebracht. Doch zugleich erlebt er die neue Welt als ihm vollständig fremd. Allein mit Channah verbindet ihn ein grundlegendes Verständnis, welches sich zu einer tiefen Liebe entwickelt. Tonio muss vieles lernen, so wie ein kleines Kind, das in eine ihm fremde Welt geboren wird. Denn er entstammt einer von fast perfekten Maschinen gestalteten Wirklichkeit und muss sich nun in einer Gemeinschaft zurechtfinden, in der die Entwicklung des Menschen im Mittelpunkt steht.